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Das Waschhaus in der Einschornsteinsiedlung


Pressemitteilung Stadt Duisburg , 21. November 2006/ Beschluss Bezirksvertretung 16. November 2006
In den letzten Jahrzehnten gab es viele Bemühungen, für das seit 1969 nicht mehr genutzte Waschhaus in der Einschornsteinsielung eine neue sinnvolle und wirtschaftliche Nutzung zu finden. Nachdem  auch die Vorstellungen des Bürgervereins Neudorf mit einem Bürgerhaus nicht realisiert werden konnten, hat eine interfraktionelle Arbeitsgruppe des Bezirks Mitte verschiedene Lösungsmöglichkeiten sondiert und viele Gespräche mit dem Eigentümer und möglichen Investoren geführt.
Die Mühe hat sich gelohnt!
Nach über 35 Jahren hat die Bezirksvertretung Mitte endlich Beschlüsse zur künftigen Nutzung des „Waschhauses“ gefasst. Es wurden zwei Bauvoranfragen  zur Errichtung von neun Reihenwohnhäusern und zehn Stellplätzen einstimmig genehmigt. Das alte Waschhaus soll abgerissen werden, um die neue familiengerechte Wohnbebauung im Bauhausstil zu ermöglichen.

 

Worum geht es? (Stand 2005

  • um den Erhalt eines in Deutschland einzigartigen Denkmalobjektes

  • um urbanes Leben im zentralen Bereich einer gesamten Siedlung in der die Menschen in einem Denkmal leben

  • um den Erhalt des besonderen Schutzes der gesamten Siedlung durch Denkmalwürdigkeit
    (Abriss des Waschhauses kann dazu führen - so die Denkmalbehörden - , dass der gesamte Denkmalschutz der Siedlung fällt)

  • um Schaffung von Arbeitsplätzen

Am Freitag, den 19. August 2005 hatte es auf Initiative des Bürgervereins einen runden Tisch bei Oderbürgermeister Adolf Sauerland mit Experten sowie dem Bezirksvorsteher Mitte gegeben.

Ergebnis: Der Oberbürgermeister sicherte eine Unterstützung bei der Antragstellung von Fördermitteln zur Sanierung bzw. dem langfristigen Erhalt des vom Gesetz her geschützten Objektes zu.

So könnte das zentrale Denkmalobjekt aussehen...

Einschornsteinsiedlung – Waschhaus-Nutzungskonzept 

Gemischtes Nutzungskonzept des Bürgervereins Duisburg-Neudorf e. V. für das ehemalige Waschhaus 

Ab 1928 entstand in Duisburg-Neudorf die Einschornsteinsiedlung.   

In den ab 1928 vom „Gemeinnützigen Bauverein Essen“ und den Architekten J. Kramer und W. Kremer in zwei- und dreigeschossiger Bauweise errichteten 441 Wohneinheiten (434 noch vorhanden) war das ehemalige Waschhaus der Siedlungsmittelpunkt für die Bürger schlechthin, erinnern sich nicht wenige der älteren Neudorfer Bürger nur zu gern.
 
Das Waschhaus war mit einem zentralen Heizwerk für alle Wohneinheiten, einer Werkstatt, dem Wasch- und Badehaus, einer Gaststätte, einem Festsaal und einem Kindergarten versehen.  Der Bürgerverein Duisburg-Neudorf e. V. schlägt ein Nutzungskonzept vor, in dem das Waschhaus wieder eine zentrale Begegnungsstätte für die Bürger werden könnte. 

Waschhaus-Nutzungskonzept des Bürgervereins Duisburg-Neudorf e. V. 

Das Konzept beinhaltet drei Bereiche: 

¨       Bürgerzentrum mit Veranstaltungscharakter

¨       gewerbliche Nutzung in den Bereichen Gastronomie (Wiener Cafe) und Gesundheit (Massagen, Krankengymnastik)

¨       Sportliche Nutzung (Trampolin, Kurse von Verbänden und mehr...

Bürgerzentrum
Der in Hochparterre gelegene große ehemalige Waschsaal eignet sich von Art und Größe her vorzüglich als Veranstaltungsort für Bürger, Vereine und Institutionen. Die Architektur des Saales mit der hohen Decke und den dreiseitig umlaufenden großen Fenstern erinnert an den Kölner Gürzenich und besitzt einen ganz besonderen Charme. Ein Veranstaltungsort dieser Art ist in Duisburg nicht vorhanden, wäre auch im gesamten Ruhrgebiet einzigartig.

Die Außenanlage (ehemalige Kindertagesstätte) könnte als Park für die Öffentlichkeit hergerichtet werden.


Sportangebot
Die Kellerräume könnten als spezielles Sportangebot (Trampolin, Gymnastik) genutzt werden.

Gewerbliche Nutzung
Der in Hochparterre gelegene großzügig gehaltene Vorraum zum Veranstaltungssaal könnte für ein gastronomisches Angebot und als Foyer hergerichtet werden.
Im Untergeschoss wäre die Einrichtung eines Gesundheitszentrums (Massagen, Gesundheitstraining o. ä.) denkbar.  

Die Einschornsteinsiedlung in DU-Neudorf 

1927 schrieb der Gemeinnützige Bauverein Essen AG zur Errichtung einer Wohnsiedlung in Duisburg-Neudorf zwischen der Wildstraße, Kortumstraße und Mozartstraße einen Wettbewerb aus. In Konkurrenz zu führenden Architekten wie Emil Fahrenkamp aus Düsseldorf, Wilhelm Riphahn aus Köln und Pfeiffer & Großmann aus Mülheim sprach die Jury Johannes Kramer und Werner Kremer aus Duisburg-Ruhrort in Gemeinschaft mit dem städtischen Baurat Hermann Bräuhäuser den ersten Preis zu. Entwürfe von Josef Rings aus Essen, Heinrich Bähr und Kurt Ritterhaus aus Duisburg wurden angekauft. Nach dem Projekt von Kramer, Kremer und Bräuhäuser, das unter dem Kennwort "Ein Schornstein" eingereicht worden ist, wurde die Siedlung von 1927 bis 1929 ausgeführt.  

Die zu einem rechtwinkeligen System geordneten Straßen des Quartiers sind als reine Wohnstraßen mit Vorgärten und Baumpflanzungen angelegt; auch die ca. 20 m breite Gabrielstraße hat einen Fahrbahnquerschnitt von nur 5,50 m. Die Siedlung umfasst 72 zwei- und dreigeschossige Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 360 Wohnungen und 81 Einfamilienreihenhäuser, von denen 7 nicht mehr erhalten sind. Für die Häuser mit Etagenwohnungen wurden aus einem Typ zwei Varianten entwickelt, die zwei-, drei- und vierräumige Wohnungen enthalten. Auch die Einfamilienhäuser wurden in zwei Varianten errichtet. Die Wohneinheiten sind zu lang gestreckten Zeilen zusammen gefasst, so dass die einzelnen Häuser ganz im Kollektiv der Gesamtanlage aufgehen. Die Fronten der gleichmäßig gereihten Einfamilienhäuser werden an den Gartenseiten dadurch gegliedert, dass sich die Küchen als eingeschossige Anbauten über die Bauflucht hinaus vorschieben. In Duisburg hat diese Lösung ihre unmittelbare Vorstufe in den städtischen Typenhaussiedlungen (1926 bis 1928) am Dickelsbach, Ratingsee und am Parallelhafen. Unter den Arbeiten der internationalen Architekten-Avantgarde lassen sich zahlreiche weitere Vergleichsbeispiele finden. Der Wechsel von zwei- und dreigeschossigen Trakten, variierendes Stockwerksniveau und zurückliegende Treppenhäuser gliedern die Mehrfamilienhäuser, so das auch bei Zeilen von über 100 m Länge keine eintönigen Fronten entstehen. Das heute selbstverständlich gewordene Flachdach gehörte in den zwanziger Jahren zu den Leitformen des neuen Bauens, die zwischen konservativen und fortschrittlichen Architekten mit heftigen Polemiken umstritten wurden.     

Die Einschornsteinsiedlung wurde als städtebauliche Einheit konzipiert. Ähnlich wie die Frankfurter Trabantenstädte von Ernst May verbindet das Duisburger Beispiel "möglichst viele Vorzüge städtischen Lebens mit denen des Lebens auf dem Lande" (N. Huse, S. 100). Damit wurde die unerbittliche Strenge von äußerster Konsequenz vermieden, die bei verschiedenen Siedlungen der 20er Jahre auch von entschiedenen Verfechtern der neuen Architektur kritisiert wurde. "Indem er das Leben zum Wohnen spezialistisch verengt, verfehlt dieser Siedlungsbau auch das Wohnen. Dies ist kein Miteinander, sondern ein Auseinander" (A. Behne über die Karlsruher Siedlung Dammerstock, in: Die Form 6, 1930). Die Freiflächen zwischen den Häusern sind gleichsam als Außenwohnraum formal und funktional in das Gesamtkonzept einbezogen. Mit der Gestaltung der gärtnerischen Anlagen auf dem Siedlungsareal wurde mit Leberecht Migge der damals führende deutsche Gartenplaner beauftragt. Migge hat beim Bau beispielhafter Siedlungen mit Otto Haeseler in Celle, mit Walter Gropius in Dessau und mit Ernst May in Frankfurt a. M. zusammengearbeitet. Als Kontrast zu den öden Massenwohnquartieren des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts, deren Planung in erster Linie von den Bedingungen der Bauspekulation diktiert wurde, haben die Wegbereiter des neuen Bauens großzügigen Grünflächen erhebliche soziale Bedeutung beigemessen. Nach einer zeitgenössischen programmatischen Aussage sollten Gärten "vorwiegend aus Gründen der sozialen Wirtschaftlichkeit" angelegt werden, "um in frischer Luft und Sonne für Körper und Geist nach Nerven zerrüttender Arbeit ideale Erholungsstätten zu schaffen. Dort sollen unsere Kinder unter natürlichen Lebensbedingungen zu gesunden und lebensfrohen Staatsbürgern heranwachsen mit einem…seelischen Reichtum, der Tausende von ihnen glücklicher machen wird als alle materiellen Güter" (E. May 1926, zitiert nach N. Huse, S. 90).  

Durch eine Publikation über die Einschornsteinsiedlung in der Zeitschrift "Der Baumeister" ist bekannt, dass die Häuser ursprünglich einen farbigen Anstrich hatten. Durch sorgfältige Untersuchungen, die von der Restaurierungswerkstatt des Landeskonservators Rheinland durchgeführt wurden, konnte die ehemalige kräftige Farbigkeit ermittelt werden: die Nordostfassaden waren gelb, die Südwestfassaden lachsrot, die Nordwest- und die Südostfassaden türkis, so dass die Farbflächen jeweils an den Gebäudekanten gegeneinander stießen. Die farbliche Absetzung der Rücksprünge und Anbauten war aus diesem System entwickelt. Der erwähnte Befund macht die Siedlung zu einem bedeutenden Dokument für die vielfältigen Bemühungen des neuen Bauens um farbige Architektur. Als Protagonist dieser Bewegung in Deutschland ist Bruno Taut zu nennen. Er begann bereits 1913/14 damit, Siedlungen in Magdeburg und Berlin in kräftigen Farben anzustreichen. Taut sah darin ein geeignetes Mittel, die Baukunst von der "Zwangsjacke des Schmutzgraues und der Baustile, des Materials und des ganzen Begriffsplunders zu befreien" (zitiert nach H. J. Rieger S. 28). Der Holländer Theo van Doesburg schrieb 1928: "Die architektonische Gestaltung ist ohne Farbe undenkbar. Farbe und Licht ergänzen sich. Ohne Farbe ist die Architektur ausdruckslos, blind." Er betrachtete den architektonischen Raum "nur als gestaltlose, blinde Leere, solange die Farbe sie nicht tatsächlich zum Raum gestaltet". Die Siedlung Pessac bei Bordeaux von Le Corbusier war in Himmelblau, Goldgelb, Jadegrün, Weiß und Kastanienbraun gestrichen; die Farben wechselten, wie bei der Einschornsteinsiedlung, jeweils an den Gebäudekanten. Für Le Corbusier diente die Farbgebung " ausschließlich den Zwecken der Architektur", sie sollte den Raum mit Hilfe der Farbqualitäten gliedern: "So ging die Architektur in den Städtebau über." Folgendes Zitat aus dem Prospekt einer gewerkschaftlichen Wohnungsbaugenossenschaft in Berlin beschreibt das Ziel, das auch die Architekten der Einschornsteinsiedlung verfolgt haben: "Die freudigen Farben der Außenwände und Balkone wirken in Verbindung mit den Grünflächen angenehm und lebensbejahend gegenüber dem toten Grau der Mietskasernen" (zitiert nach H. J. Rieger S. 143).


Waschhaus

Das große Zentralgebäude steigerte in seiner ursprünglichen Nutzung die Wohnqualität der Einschornsteinsiedlung weit über das auch heute noch übliche Maß in neuen Wohnquartieren. Der in mehrere Trakte gegliederte Baukomplex der von einem hohen Schornstein überragt wird, nahm ehemals wichtige Versorgungseinrichtungen auf. Neben dem Heizwerk, das die Wohnungen der Siedlung mit Fernwärme und Warmwasser versorgte, war in dem Zentralgebäude eine Wäscherei untergebracht, eine Gastwirtschaft, ein großer Festsaal, ein Kindergarten mit Spielplatz und Planschbecken und eine Autogarage mit Werkstatt. Einige Funktionen, die im traditionellen Wohnungsbau an das Einzelhaus gebunden waren, wurden damit zu Gemeinschaftseinrichtungen zusammen gefasst. Die gesellschaftliche Entwicklung, so stellte Walter Gropius 1929 in einem Aufsatz über "Die soziologischen Grundlagen der Minimalwohnung für die städtische Industriebevölkerung" fest, "zeigt ein stetiges Fortschreiten der Vergesellschaftung ehemaliger Familienfunktionen autoritativer, erzieherischer und hauswirtschaftlicher Art, und damit werden die ersten Anfänge einer genossenschaftlichen Epoche, die die  Rechtsepoche einst ablösen mag, sichtbar". Gropius sah die Lösung für die Zukunft in der "Zusammenfassung einer Reihe von Wohnungen im Großhaushalt". Dass mit der Einschornsteinsiedlung ein erster Schritt zur Verwirklichung dieses Zieles getan sein könnte, befürchtete ganz offensichtlich die Lokalpresse. In einer vom Duisburger General-Anzeiger am 17. April 1927 veröffentlichten Kritik am Entwurf von Kramer & Kremer heißt es: "Die Architekten…schlagen für die ganze Siedlung eine Zentralwaschanstalt vor, ja sogar eine Zentralbadeanstalt, und sparen somit nicht nur Trockenböden und Waschkeller, sondern auch das Badezimmer, kurz, fast alle Nebenräume, bauen denkbar wirtschaftlich. Und blitzartig steigt einem der Gedanke auf, am Ende dieser Entwicklung, die über Zentralwasch- und -badehaus, Rohrpostanlage für schmutzige Wäsche, über Fernbeheizung ganzer Städte, über Warmwasserleitung, Konservenernährung, Kinderhorte, Jugendspielnachmittage und Berufsschulen geht, kommen wir zu einer ganz fabelhaften Ersparnis, wir sparen - die Hausfrau, die Familie. "   

Zur Versorgung der Bewohner wurden an der Gabrielstraße in eingeschossigen Verbindungstrakten zwischen den Etagenwohnhäusern 15 Ladenlokale eingerichtet. Als wichtige Ergänzung der Siedlung muss die Mozartschule erwähnt werden, die 1928 vom städtischen Hochbauamt geplant wurde. Nachdem man im November 1929 mit der Ausführung begonnen hatte, konnten die Arbeiten, wie bei vielen andern Bauprojekten, in den beginnenden 30er Jahren wegen der allgemeinen Wirtschaftskrise nicht weitergeführt werden. Die Mozartschule wurde erst 1936/37 fertig gestellt.  

Gerade im Ruhrgebiet musste die entschiedene Farbigkeit als Kontrast zu den düsteren Wohnquartieren der Gründerzeit und zu den Industriebauten beträchtliche Signalwirkung gehabt haben. Die farbige Behandlung sollte die Siedlung als geschlossene Einheit anschaulich darstellen und die Identifikation der Bewohner mit ihrem Quartier erleichtern. Der historische Zusammenhang belegt, dass die Farbigkeit nicht nur modische Zutat war. Schon gar nicht hatte sie die Aufgabe, wie bei heutigen farbig dekorierten Neubauten bisweilen vermutet werden darf ein inhumanes, mit unzureichenden architektonischen Mitteln realisiertes Bauprogramm zu verschleiern. Die Einschornsteinsiedlung gehört als qualitätsvolles Beispiel zu den bedeutenden Bau-Dokumenten der 20er Jahre. Da die ursprüngliche Farbigkeit einen wesentlichen Bestandteil des Planungskonzeptes bildet, ist sie ein unverzichtbarer Faktor des Denkmalwertes. Deshalb ist es sehr zu begrüßen, dass die GAGFAH, deren Verwaltung ein großer Teil der Siedlung untersteht, nach intensiven Beratungen mit dem Amt des Landeskonservators begonnen hat, die Siedlung in Anlehnung an den originalen Befund wieder farbig zu fassen. Bei der Beurteilung des Ergebnisses ist zu berücksichtigen, dass nicht nach heutigem Geschmack frei gestaltet wurde etwa im Sinne der Aktion "Make-up Duisburg", sondern dass ein herausragendes Zeugnis der Architekturgeschichte seiner alten Gestalt wieder angenähert wurde. Das kritische Echo, das diese Maßnahme in der Lokalpresse gefunden hat, erinnert in seiner Argumentation erstaunlich an die konservative Polemik, mit der in den 20er Jahren die moderne Architektur diskriminiert wurde.


 

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